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13.8.26

Dank an die Menschen und an die Technik, die internationale Kommunikation vereinfacht haben

 Heute bin ich aufgewacht mit dem Bedürfnis, alle die zu grüßen, mit denen ich dank des Internets mehr oder minder intensive Kontakte haben kann und darf. 

Beim Nachdenken über eine Rundmail bin ich schließlich darauf gekommen, dass dieses Internettagebuch der beste Platz ist für solch einen Gruß, auch wenn nur wenige es lesen.

Die Wikipedia ist gewiss die wichtigste Gemeinschaftsarbeit, zu der ich einen Teil beitragen konnte. Über die Wikipedia bin ich zum ZUM-Wiki und zu ZUM Unterrichten und allgemein zur ZUM gekommen, die mir mehr als so flüchtige Kontakte wie bei Wikipedianertreffen ermöglichte.

Die Wikipedia ermöglichte mit der Wikiversity  auch den Zusammenhang, der unter Lehrerbloggern entstehen konnte, zu dokumentieren und vielleicht ein bisschen zu stärken: Lehrerblogs. Twitter ermöglichte manchen Kontakt, der jetzt durch X von Musk zerstört worden ist.

Hier ist freilich auch der Punkt, wo anzusprechen ist, dass soziale Medien nicht nur wie Twitter Wissensmanagement, sondern auch Shitstürme/Shitstorms ermöglichen, die nicht nur wie Metoo Solidarität der Schwachen (vergleichbar mit der Solidarität mit den Schwachen (und moralisch Starken) über Amnesty) dienen, sondern auch dem unverhältnismäßig starken Angriff auf nicht selten unschuldige Einzelpersonen.

Spätestens hier habe ich das Feld des privaten Danks verlassen und bin in das moralisch Ambivalente Feld des Allgemeinen geraten.  

Bevor ich abbreche, aber Dank an alle, die im Netz für sozialen Zusammenhalt arbeiten. So auch bei gutefrage.net, wo leider auch viel Fragwürdiges geschieht.

Und damit auch ein Blick auf den Drohnenkrieg und den so hässlichen Teil unserer Wirklichkeit.


8.8.26

Was mich gegenwärtig beschäftigt

 Aus einer Mail an einen Bekannten:

Das Kapitel KI ist jetzt ja noch deutlich brisanter geworden
a) wegen des CO2-Ausstoßes
b) wegen der Überwachungsmöglichkeit der Bevölkerung
c) wegen der unzureichenden Überwachungsmöglichkeit der KI
d) wegen der Deregulierung, die die Multimilliardäre in Absprache mit Trump sicherstellen wollen und der Hassliebe zwischen dem ersten Dollarbillionär Musk und dem Präsidenten, der X gern für sich einsetzt und per Börsenmanipulation auf dem besten Weg zum Multimilliardär ist
e) ....
Die Wikipedia hat deswegen die Verwendung von KI für Texte verboten, sieht sich aber dem Angriff durch Musks Grokipedia ausgesetzt. Vorerst kann man darauf hinweisen, dass die Wikipedia China widerstanden hat, auch wenn sie aus China nahezu ausgeschlossen ist. Aber da die Foundation der Wikipedia auf US-Hoheitsgebiet arbeitet, ist sie vor Trumps Zugriff vielleicht noch weniger sicher als vor dem Zugriff des Großkapitals.

Andererseits stelle ich fest, dass ich nach der ersten KI-Kritik (eine - ich glaube es war Gemini - sah Leo XIV. noch nach Monaten als nicht-existent an) jetzt erfahre, dass sie für Recherchezwecke so wichtig sind, dass ich nicht auf sie verzichte, weil der Boykott einer Einzelperson sowieso  nichts rettet.
Der von mir geschätzte Jean-Pol Martin ist seit Monaten daran, den KIs die Neuen Menschenrechte beizubringen. Ich halte es für ein aussichtsloses Unterfangen; aber Hoffnung muss man sich verdienen und so versuche ich ihn bei seiner Arbeit zu begleiten. Er hat seit über einem Jahr große Schmerzen, aber an der Arbeit ist er mit großer Energie - wohl auch, weil er sich über KI mehr Bekanntheit für seine Projekte verspricht und - nicht ganz ungefährlich - unter Zusammenarbeit mit 7 KIs, vornehmlich ChatGPT und Claude.

Jetzt stelle ich noch Links hinzu, die vielleicht interessieren könnten: 
Silicon Valley, Abwicklung der vormals Hoffnung weckenden USA, Steinbecks "Früchte des Zorns", die inneramerikanische Fluchtgeschichte der 1930er Jahre sowie "Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise" aus dem Jahr 2016.

2.8.26

Antwort auf einen Bericht von Rentner04, der seinen schweren Aufstieg in der Nachkriegszeit schilderte

 @Rentner04

Ich danke Rentner04 für diesen wichtigen Bericht. Mir wurde im Unterschied zu ihm, obwohl ich ebenfalls Kriegswaise bin, vieles geschenkt. Als Jüngster von 5 Geschwistern profitierte ich von dem, was meine Geschwister weit mühsamer erreicht hatten.

Doch die jüngeren Generationen haben vieles schwerer als ich, der ich - im Krieg geboren und den Hungerwinter von 1947 ohne Erinnerung daran überstanden - in Zeiten des Wirtschaftswunders aufgewachsen immer größeren Wohlstand erlebte.

Wegen des Klimawandels und weil die erhoffte Friedensdividende in den 90er Jahren verspielt wurde, stehen diese Generationen, besonders die meiner Enkel, vor einer ungewissen Zukunft, von der nur eines sicher ist: Vieles, was in den Zeiten der jungen Bundesrepublik noch selbstverständlich war, wird nur mit großen Anstrengungen zu bewahren sein. Die 20 Ratschläge, die J. Randers in seinem Bericht an den Club of Rome 2012 handeln davon, insbesondere dieser: "Tun Sie mehr als Sie müssen. So vermeiden Sie später ein schlechtes Gewissen." Die "Gnade der späten Geburt", nicht mitschuldig an den Verbrechen des NS-Staates geworden zu sein, hat sich für die kommenden Generationen verwandelt in das schwere Schicksal, mit den Folgen der Unterlassungen der Wohlstandsgenerationen in den Industrieländern (in der zweiten Jahrhunderthälfte des 20. und dem ersten Drittel des 21. Jahrhunderts) leben zu müssen. Dazu gehört, dass sie in den Ländern des Globalen Nordens mehr für die Bewahrung der gegenwärtigen Zivilisation tun sollten, als für ein auskömmliches Überleben nötig ist, damit sie nicht angesichts der absehbaren Zukunft ein schlechtes Gewissen oder schlimmer: Mitschuld haben werden an dem, was kommt.

Ein bloßes "Die Politiker sind schuld" hilft da nicht und schon gar nicht die Vorstellung, die Benachteiligten des Globalen Südens seien selbst schuld an ihren Problemen.

15.4.26

Glühende Kohlen

 Agapitus wurden "glühende Kohlen aufs Haupt" gestreut.

Die davon abgeleitete Metapher: "glühende Kohlen aufs Haupt sammeln" war auch früher ein sehr starker Ausdruck dafür, dass jemand mit seiner Hilfsbereitschaft den anderen zu so großer Dankbarkeit verpflichtet, dass er das nicht in gleichem Maße erwidern könne. Dafür gibt es sonst die ebenfalls ein wenig hyperbolische Formel: Das kann ich gar  "nicht wieder gutmachen". So als ob ein Fehler entstanden wäre, der erst bei gleichwertiger Gegenleistung "ausgebügelt" wäre. 

Angesichts der Arbeitsamkeit meiner Frau wäre ein gleichwertiger Beitrag zum Haushalt u.a. im Sinne der Gleichberechtigung freilich durchaus sinnvoll. Daher fielen mir, als meine Frau mich lobte, weil ich mal etwas für den Haushalt tat, die metaphorischen "glühenden Kohlen" ein.

Wie oft sie noch in diesem Sinne gebraucht werden?

Dazu eine KI:

"Der Ausdruck „glühende Kohlen aufs Haupt sammeln“ oder auch „feurige Kohlen auf jemandes Haupt sammeln“ stammt aus der Bibel (Sprüche 25,21-22) und bedeutet, jemandem durch Freundlichkeit oder Wohltaten zu begegnen, obwohl er einem Böses getan hat. Dadurch wird der andere durch diese Großmut sozusagen beschämt oder mit einem schlechten Gewissen belastet www.redensarten-index.de de.wiktionary.org.

Diese Redewendung wird vor allem im christlichen Kontext verwendet, um das Prinzip zu beschreiben, dass man Böses mit Gutem vergelten soll. Im Glaubensleben wird sie als Aufforderung verstanden, Feinden mit Güte zu begegnen, was symbolisch so wirkt, als ob man ihnen „glühende Kohlen aufs Haupt sammelt“ – also eine Art moralische oder geistige Reinigung und Beschämung bewirkt www.bibelpraxis.de www.wisdomlib.org www.aref.de.

Die Verwendung findet sich in Predigten, christlicher Literatur und auch in theologischen Erklärungen, wo das Motiv der Vergebung und der Güte gegenüber dem Feind hervorgehoben wird. Dabei wird die Redewendung oft genutzt, um zu verdeutlichen, dass Freundlichkeit gegenüber einem Gegner dessen schlechtes Gewissen oder seine Schuldgefühle verstärken kann www.logo-buch.de www.redensarten-index.de.

Kurz gesagt: Der Ausdruck wird überwiegend in religiösen und moralischen Zusammenhängen gebraucht, um zu zeigen, wie man durch wohlwollendes Verhalten gegenüber einem, der einem Unrecht getan hat, diesen Menschen innerlich bewegen oder beschämen kann de.wiktionary.org www.aref.de."

11.4.26

"Lokale" Wikipedia?

 Kann eine Sprachversion der Wikipedia, des weitverbreitetsten Enzyklopädie der Welt, lokal sein?

Ich gebe zu, dass der Begriff Sprachversion nicht eben geläufig ist, aber in Sachen Internet ist doch allenfalls ein Provider lokal. 

Andererseits ist bemerkenswert, dass zwar - wenn von der englisch-, französischsprachigen ... Wikipedia immer wieder von Sprachversion gesprochen wird, dass es aber weder in der Wikipedia noch im Wiktionary einen Artikel Sprachversion gibt, 

19.12.25

Günter Wallraff

 Ein Zeitungsbericht über Wallraff und ein Auszug aus dem Wikipediaartikel zu "Ganz unten" findet sich hier

Ich will bei Gelegenheit mehr dazu schreiben. Hier nur so viel:

Als ich las 83 Jahre, so wenig älter als ich und dann so eine Lebensleistung, so viel Leben in einem Leben.

Was hat er alles aufgedeckt. Wie viel wurde verändert. Wie viel kam in veränderter Form wieder zurück.

Er sagt über sich selbst: "Ich möchte zu denen gehören, die nicht dazugehören".

Über aktuellen Problemen hat man ihn vergessen. Welcher Einsatz und welche Kritik.

"Kurz nach Erscheinen des Buches spazierte Aysel Özakin an einer Berliner Buchhandlung vorbei. 

Sie lebte seit knapp fünf Jahren in Deutschland, sie war eine bekannte und mit Literaturpreisen ausgezeichnete Schriftstellerin aus der Türkei. Im Schaufenster schaute sie vom Buchdeckel das 

finstere Gesicht des als Ali verkleideten Günter Wallraff an. Es war der Moment, in dem sie beschloss, Deutschland zu verlassen.

"Als ich dieses Gesicht sah, konnte ich einfach nicht mehr", sagt Özakin heute. 

Sie ist, wie Wallraff, 83 Jahre alt und lebt mittlerweile in Los Angeles.

Seit ihrer Ankunft in Berlin habe sie versucht, dort als Schriftstellerin anerkannt 

zu werden. 

Doch immer sei sie von den Buchhändlern ins Regal der Gastarbeiterliteratur einsortiert 

worden. 

Nach dem Erfolg von Ganz unten habe sie das Gefühl gehabt, dass sich daran auch 

nichts mehr ändern werde. 

"Wegen des Buchs glaubten die Deutschen, alle Türken seien so wie von Wallraff dargestellt: 

arm, unterdrückt und ungebildet. Und weil sie so sind, muss man sich um sie kümmern. 

Das fand ich bevormundend."

Sie selbst habe nach der Veröffentlichung einen Zettel in ihrer Wohnung gefunden, 

ein Nachbar hatte ihn unter der Tür durchgeschoben: "An Ihrem Namen erkenne ich, 

daß Sie Türkin sind. Ich habe Ganz unten gelesen und mich entschlossen, einem Türken

zu helfen. Ich wohne im ersten Stock."

Bald darauf packte sie ihre Sachen und zog nach England. Bereut habe sie den 

Wegzug nie, sagt Özakin. Sie sei Wallraff auch nicht böse. "Er hat nur seinen Job gemacht." Er sei Journalist und habe als Journalist nun mal diese Perspektive gewählt, um über 

Türken zu schreiben. 

"Das Problem war, dass diese Perspektive so riesengroß in Deutschland wurde." 

("Ich möchte zu denen gehören, die nicht dazugehören"  ZEIT Nr.54, 16.12.2025)

Sie erfährt die Zurücksetzung, gegen die er anschreibt, und ist ihm nicht dankbar dafür, 

dass er das tut, weil sie selbst anderer Gegenstände hat und mit denen in Deutschland 

nicht ankommt. Sie erfährt, dass sie in Großbritannien und den USA mit ihren Themen 

besser ankommt.