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1.7.23

Was denken alte Menschen eigentlich darüber, dass das Leben schon bald vorbei ist?

 So wurde auf gutefrage.net gefragt. Meine Antwort (mit kleinen Ergänzungen) möchte ich hier festhalten

Für andere kann ich das nicht sagen. Aber ich sehe es so:

Ich bin alt und war damit einverstanden zu sterben. Dann haben ein Arzt und meine Frau mich davon abgebracht. Das hat dazu geführt, dass meine Frau jahrelang viel zusätzliche Arbeit leisten musste, bis ich wieder leistungsfähiger wurde. Aber dann zeigte sich, dass ich noch manches Sinnvolle tun konnte.

Zwar mache ich weiterhin viel falsch, z.B. gehe ich meiner Frau immer wieder auf die Nerven, obwohl sie so viel für mich getan hat und weiterhin tut. Aber ich habe die Hoffnung, dass ich in der mir verbleibenden Zeit keine schwere Schuld mehr auf mich lade. Weder für Kriegsdienst noch für die meisten Gewaltverbrechen bringe ich noch die zureichenden physischen Voraussetzungen mit.

Natürlich kann die Hoffnung trügen, aber noch begleitet sie mich.

Dankbar bin ich, dass ich nicht die Voraussetzungen mitgebracht habe, jetzt in einer führenden politischen Funktion Entscheidungen zu fällen, die sich schon bald als grundlegend falsch erweisen. Und ich wünsche denen, die solche Fehlentscheidungen treffen, dass sie es früh genug tun, um noch daraus lernen zu können, oder so spät, dass sie es nicht mehr merken.

Und ich habe die Freude, dass meine Kinder und Enkel so vieles so viel besser können, als ich es in ihrem Alter konnte, ganz zu schweigen von dem, was ich schon alles nicht mehr kann.

12.3.23

Spuren im Netz

 "Das Internet vergisst nichts." ist zwar stark übertrieben. Aber das Internet behält nicht selten viel mehr, als man denkt, und man selbst findet das, was man selbst produziert hat, öfter nicht mehr wieder, als einem lieb ist. Meine Internetbiographie findet man über meine Apps bei Google 

genauer gesagt im Google Drive. Aber die Links, auf die sie verweist, sind nicht selten tot. Das heißt, für einen selbst ist vieles, was man ins Netz gestellt hat, schon zu Lebzeiten unerreichbar geworden. Wo allerlei Peinliches irgendwo in den Tiefen des Netzes aufbewahrt worden ist, weiß man nicht.

Dass sehr vieles, was mal in der Wikipedia geschrieben worden ist, noch viele Jahre auffindbar ist, erhoffe ich mir im Interesse dieser in wenigen Jahren für die heutige Weltgesellschaft und für die der kommenden Jahre, denn für die Wikipedia gibt es gegenwärtig (wie für vieles) keinen gleichwertigen Ersatz.

Wichtig also die Erinnerung, wie man vorsorgen kann. Spuren im Netz FR vom 13.3.2023 gibt da wichtige Hinweise. Mehr dazu (auch dazu, was ich mir dazu gedacht habe) findet man unter dem Link digitaler Nachlass in diesem Blog. 

4.5.21

Niemand ist vor dem Tode glücklich zu preisen

 Ihr im Lande Thebe Bürger, sehet diesen Ödipus,


Der berühmte Rätsel löste, der vor allen war ein Mann.
Der nicht auf der Bürger Eifer, nicht gesehen auf das Glück,
Wie ins Wetter eines großen Schicksals er gekommen ist,
Darum schauet hin auf jenen, der zuletzt erscheint, den Tag,
Wer da sterblich ist, und preiset glücklich keinen, eh denn er
An des Lebens Ziel gedrungen, Elend nicht erfahren hat.

(Übersetzung Friedrich Hölderlin)


O Bewohner unsrer Thebe, schauet an, der Ödipus,

Der erforscht' so tiefe Rätsel und verehrt vor allen war,

Dessen Los der Bürger niemand ohne Sehnsucht angeschaut,

Nun in welch graunvolles Schicksals Wogen der hinabgeriet!

Drum der Erdenmenschen keinen, harrend weislich immerdar,

Erst den letzten Tag zu schauen, preise ganz beglückt, bevor

Durch das Lebensziel er durchging, ohne daß ihm Leid geschah!

(Übersetzung: K.W.F. Solger)


O ihr Bürger meiner Heimat,

Sehet das ist Ödipus,

Der das schwere Rätsel löste,

Der so stolz und mächtig war,

Dessen Glück wir alle priesen,

Priesen und beneideten!

Seht, wie hat des Unheils Woge

Diesen Mann hinweggespült!

Muss der Mensch nicht ängstlich spähen

Nach dem letzten Lebenstag?

Kann man fortan einen Menschen

Glücklich preisen, der noch nicht

Seine ganze Bahn durchmessen

Ohne Kummer, ohne Leid?

(Übersetzung: Ernst  Buschor, in Beck'sche Verlagsbuchhandlung 1954)


Angesichts der Pandemie haben nach dem Urteil des gegenwärtigen Bundesverfassungsgerichtes die gegenwärtigen Verfassungsorgane kein Recht, das für die Begrenzung des Klimawandels Notwendige nicht zu tun. Denn das würde ja die Freiheit der kommenden Generationen beschneiden und zwar einzig aus dem Grund, weil es zu schwer scheint, das theoretisch Mögliche auch gegen Widerstände durchzusetzen.


Da haben für mich die Schlussworte von Sophokles' Tragödie König Ödipus einen aktuellen Sinn bekommen.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist so viel in so kurzer Zeit erforscht worden. Noch nie ist das daraus resultierende Wissen so bald und so allgemein verbreitet worden wie heute. Noch nie ist der durchschnittliche Wohlstand auf der Welt so hoch gewesen wie heute. 

Um die Möglichkeiten, die uns heute zu Gebote stehen, würden uns alle vorherigen Generationen beneiden.

Aber die Aufgabe, vor der wir stehen, könnte nicht zu lösen sein. 

Man wüsste gern ein gutes Ende voraus und darf sich glücklich schätzen, wenn man einen katastrophalen Ausgang nicht für notwendig hält.


Schon in der Antigone schrieb Sophokles:


Vieles Gewaltge lebt, und doch

Nichts gewaltiger denn der Mensch; [...]

Ratgeübt; ratentblößt

Betrifft ihn nimmerdar

Das Künftge. Nur Hades auch

Hat er nicht zu fliehn erlangt;

Doch harter Krankheit schwere Flucht

Ausgesonnen.

Mit listiger Künste Geschick

Auch über Verhoffen begabt, [...]



21.10.13

Achim Burgermeister

Dankenswerterweise hat Karl Kirst in seinem Blog bei ZUM-Unity formuliert, was er öffentlich über den Tod von Achim Burgermeister zu sagen hat.
Öffentlich bleibt mir nicht mehr als hinzuzufügen, dass ich dem, was Karl Kirst über den Menschen Achim Burgermeister gesagt hat, voll zustimme und dass Burgermeister seit seiner Zeit in der Türkei dort sehr viele Freunde hat und dass er auch in Kasachstan sehr vermisst werden wird.

15.11.12

Tod und Trauer im Internet

Zuvor etwas Allgemeines zu Trauer

Zunächst fand ich Gedenkseiten mit Kerzen anzünden auf Internetseiten* nur schlecht. Dann habe ich mir gedacht, dass meine Angehörigen irgend jemandem in den Arbeitsfeldern, in denen ich gearbeitet habe, schreiben könnten. Aber die Arbeitsfelder nehmen zu, und für Blogs gibt es nicht so leicht Zuständige wie für Wikis.
Deshalb finde ich die Blogparade gut, zu der Jörg Eisfeld-Reschke und Birgit Aurelia Janetzky aufgerufen haben. (Was eine Blogparade ist, erklärt Jörg in seinem Artikel.)

Das Wichtigste an diesem Artikel ist also der Verweis auf den Link, über den man zu der Blogparade gelangen kann. Meine Gedanken scheinen mir weniger interessant, doch um das Thema vorzustellen, möchte ich doch zwei Gedanken anführen:
1. Überlegungen für Situationen nach dem Tod betreffen an sich nur die Angehörigen und Freunde. Ob nach dem Tod nur tote Materie oder meine Seele oder sonst etwas von mir übrig bleiben, alle diese werden für mein Internetnachleben nur wenig Interesse haben. (Ganz im Unterschied zu mir, der ich vielleicht von "ewigem" Nachleben in der Wikipedia oder sonstwo träume.) Insofern also geht es nur um das, was für Angehörige und Freunde wichtig ist.
2. Angehörige und Freunde haben zumeist meine Adresse und können von den nächsten Angehörigen informiert werden. Geschäftspartner können über die E-Maildienste, bei denen meine Adresse hinterlegt ist, informiert werden, wenn wichtige Geschäfte anstehen sollten, die über E-Mail angebahnt wurden.
Etwas weiter entfernte Netzbekannte wie z.B. Personen, die mit mir intensiv an Arbeitsprojekten mitgearbeitet haben, müssen sich halt damit abfinden, dass keine Nachrichten mehr übers Netz laufen, so wie man früher ein "Empfänger nach unbekannt verzogen" erhalten hat, auch wenn das "unbekannt" außerhalb unserer Lebenswelt und daher besonders unbekannt war. (Nicht, dass ich die Möglichkeit der Netzsuche und des Wiederherstellens von verloren geglaubten Verbindungen nicht zu schätzen wüsste.)

Auf einem anderen Blatt steht für mich, obwohl es auch in diesen Zusammenhang gehört, dass ich mir wünsche, dass die Personen, die mir besonders nahe stehen, meine Hinterlassenschaften im Internet relativ vollständig nachlesen können, falls sie dazu Lust haben. Deshalb habe ich für sie etwas Ordnung in meine unordentlichen Netzaktivitäten gebracht.

Vielleicht fällt mir beim Lesen weiterer Beiträge zur Blogparade noch etwas dazu ein. Im Moment nicht.

Links zu "Digitaler Nachlass":
Was ich also meinem Beitrag hinzufügen sollte: Als Netzaktiver sollte man Passwörter für die wichtigsten Aktivitäten und insbesondere Hinweise für die Erben, wo Einzugsermächtigungen vorliegen, hinterlassen. - Im Zuge der Umstellung auf SEPA hat man dazu ja von den entsprechenden Geschäftsbeziehungen Mitteilungen erhalten. 
Die sollte man gut auffindbar bei den wichtigsten Nachlassunterlagen aufbewahren. 

*  Ein Beispiel für eine Sammlung von Gedenkseiten: hier

5.11.11

Wer werde ich sein?

Gedanken über Abschied von dem, der ich war: älter werden, Trennung, von dem der ich war: Demenz, endgültiger Abschied: Tod sind eigentlich mehr Fontanefans Feld als etwas für ein öffentliches Tagebuch.
Dennoch habe ich im Zug der Konzentrierung auf ein Hauptblog über Demenz dort geschrieben. Schließlich kommt das Thema ganz energisch auf uns als Gesellschaft zu.

Nachtrag 26.12.11:
Die Folgen von e-Kommunikation

29.10.09

Mit Blick auf den Tod

Es zählt: mit sich selbst ins Reine kommen. Das mag für den Künstler "das Werk" sein, für den Geschäftsmann "die Firma", für den Politiker "mein Platz in der Geschichte".

Für die meisten Sterblichen werden es die Beziehungen zu den Nächsten sein. Dass die nicht gestört bleiben. Das, was die Beziehungen störte, wird im Angesicht des Todes meist unwichtiger als die Beziehung.