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8.2.22

Wikipedia und Geschichte

 Es hat sich so ergeben, dass ich meine Texte zu unterschiedlichen Themenfeldern in unterschiedlichen Blogs veröffentlicht habe. Pädagogik, Lernen im Internet, Literatur, Politik, Philosophie und Religion bekamen eigene Blogs. Weil ich meine Texte zu Geschichte aber vornehmlich in Wikis veröffentlicht habe, habe ich keinen eigenen Blog dafür. Andererseits habe ich meinen Blog, in dem ich zu Wikipediathemen geschrieben habe, so lange vernachlässigt, dass er selbst schon ein bisschen historisch geworden ist, so dass ich beschlossen habe 

1. ihn hier zu verlinken

2. meine Texte zur Wikipedia hier mit einzubringen

So zum Beispiel mein Bedauern, dass, wie ich aus dieser Diskussion schließen muss, auch deswegen ein Mangel an Administratoren entstanden ist, weil Kandidaten beim Wahlvorgang durch sehr kritische Behandlung vergrault werden.

In meiner Anfangszeit in der Wikipedia hatte ich eher den Eindruck, dass Administratoren neue Benutzer vergraulen. (Freilich bemerkte ich dann, dass ein Administrator, der mir besonders unangenehm aufgefallen war, ganz aus der Wikipedia ausgeschlossen wurde.) Dass es jetzt eher umgekehrt läuft, ist deswegen sehr bedauerlich, weil ein großer Mangel an Administratoren herrscht und schon seit 2010 der Nachwuchs sehr stark zurückgeht, so dass nur 10% der heutigen Administratoren nach 2010 in die Wikipedia gekommen sind. 

(90 % der aktuellen Admins sind vor dem Jahr 2010 registrierte Benutzer.“ - Wikipedia-Kurier)

3. Texte zu Geschichte, insbesondere zu Büchern über Geschichte 

hier mit aufzunehmen. Zum Beispiel den über Gregorovius, einen weitgehend schon vergessenen Historiker:

 "Gregorovius’ monumentale Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter (1871), an der er über 18 Jahre lang arbeitete und für die er zahlreiche Archivalien erschloss, gilt als Klassiker der Geschichtsschreibung. Die von ihm verfassten Wanderjahre in Italien, die aus journalistischen Arbeiten hervorgingen, gelten in ihrer Wirkungsgeschichte für das Italienbild der Deutschen bis heute als wichtigster Beitrag nach Goethes Italienischer Reise.[1] Die darin enthaltenen Reiseberichte gehören größtenteils dem Genre der historischen Landschaftsbeschreibung an, das Gregorovius mit seinem Buch Corsica (1854) begründet hatte." (Wikipedia: Ferdinand Gregorovius)

F. Gregorovius Briefe

F. Gregorovius in seinem Jahrhundert 1 (Zeitenwende)

F. Gregorivius in seinem Jahrhundert 2 (Einführung)

F. Gregorovius Briefedition 3

F. Gregorovius und das Judentum 4

Gregorovius über die Huldigung der Juden für die Päpste des Mittelalters

Es fehlte im Mittelalter nicht an anderen Huldigungszeremonien, die den Juden auferlegt waren. Beim Fest der Besitznahme des erwählten Papstes vom Lateran mußten sie in festlicher Deputation ihm entgegenkommen, und man will wissen, daß sie schon den alten Kaisern in ähnlicher Weise verehrend sich darstellten. Die Hebräer opferten in ihrem Tempel zu Jerusalem, wenn der römische Kaiser den Thron bestieg, und brachten Gebete für ihn dar; so sagte schon Philo in seiner «Gesandtschaft an den Kaiser Cajus», daß die Juden dreimal für Caligula Opfer vollzogen hätten, das erstemal, als er den Thron bestieg, darauf, als er in gefährliche Krankheit verfiel, das drittemal für seinen Sieg über Deutschland. Daß auch die Juden in Rom das gleiche taten, ist natürlich, und schwerlich haben sie bei den Huldigungsfeierlichkeiten gefehlt, um vor dem Kaiser als Schutzflehende zu erscheinen und solche Duldung zu erbitten, wie sie ihnen von Augustus gewährt worden war.

Als nun an die Stelle der Kaiser die Päpste getreten waren, wechselten nur die Formen, nicht das Wesen der Zeremonien. Bei jeder Huldigung eines Papstes erschienen die Abgesandten der römischen Judenschaft, mit dem Pentateuch auf der Schulter, an dem Wege, wo der päpstliche Triumphzug vorüberkam. Man betrachtete sie nach dem Ausspruch des heiligen Hieronymus gleichsam als die Bibliothekare der christlichen Religion, weil sie das Alte Testament oder vielmehr das Gesetz in ihrer Bundeslade verwahrt gehalten hatten; und indem sie dem neuerwählten Papst als Schutzflehende nahten, taten sie dies, wie man sagt, teils weil ihre Väter in solcher Gestalt vor den Kaisern erschienen waren, teils weil sie, auf einen Messias und Befreier aus der Gefangenschaft hoffend, den jedesmaligen Papst daraufhin betrachteten, ob nicht er es sei, der sie von ihrem Joch befreien würde.

Seit Calixt II., der im Jahre 1119 von den Juden eine solche Zeremonie empfing, haben wir von jeder Huldigungsfeierlichkeit Nachricht. Allen brachten sie den Pentateuch auf der Schulter entgegen, so Eugen III., wie Alexander III. und Gregor IX., und sangen Lieder, zu ihrem Lobe. Cancellieri in seinem Werk «Storia de' possessi» (Geschichte der Besitznahme der Päpste) gibt darüber die besten Aufschlüsse aus den Tagebüchern der päpstlichen Zeremonienmeister.

Der Ort, an welchem die Juden sich aufstellten, wechselte. In der Zeit des älteren Mittelalters war es die Region Parione, einer der ältesten und wichtigsten Stadtteile Roms, diesseits der Hadrianischen Brücke gelegen, wo die Judenschaft den nach dem Lateran ziehenden Papst erwartete. So erzählt schon das alte lateinische Gedicht des Kardinals Giacoma Stefaneschi, welches die Huldigungsfeier Bonifacius' VIII. im Jahr 1295 beschreibt:

Ecce, super Tiberim positum de marmore pontem
Transierat, provectus equo; turrique relicta
De campo Judaea canens, quae caecula corde est,
Occurrit vesana duci Parione sub ipso,
Quae Christo gravidam legem plenamque sub umbra
Exhibuit Moysi. Veneratus et ille figuram
Hanc post terga dedit, cauto sermone locutus.
Ignotus Judaea deus, sibi cognitus olim.
Qui quondam populus, nunc hostis; qui deus et rex
Obnubi patitur, praesentem temnere mavis,
Quem fragilem reputas hominem, sperasque futurum,
Et latet ipse deus – –

Schon hatte er die marmorne Tiberbrücke hoch zu Roß überschritten. Als er am Turm vorüber war, kam ihm die wahnsinnige Judenschaft, Blindheit im Herzen, vom Campus her unter der Führung des Pario selbst entgegen und zeigte das Christus ärgerliche und schattenreiche Gesetz des Moses. Jener ehrte die Rolle, reichte sie hinter sich und sprach in wohlgemessener Rede: ‹Gott ist der Judenschaft unbekannt, obwohl er ihr einst bekannt war. Einst war er vom Volke geliebt, jetzt verhaßt. Dieser Gott und König muß sich verdunkeln lassen, denn du ziehst es vor, den Gegenwärtigen zu verachten, den du für einen vergänglichen Menschen hältst, und hoffst auf den Zukünftigen. Gott selbst aber bleibt dir verborgen.›.

Schon damals hatte dies Schauspiel dieselben Formen, wie sie später beobachtet wurden. Die Juden, Loblieder singend, warteten des im Triumphzug daherreitenden Papstes; sie boten ihm die Gesetzrolle dar, der Papst nahm sie, las einige Worte darin, reichte sie dann hinter sich und sagte: «Wir bestätigen das Gesetz, aber das jüdische Volk und seine Auslegung verdammen wir.» Hierauf ritt er weiter, und die Juden kehrten in ihre Wohnungen zurück. Niedergeschmettert oder zur Hoffnung belebt, je nach dem, was sie mit scheuer Furcht in den Augen des Papstes gelesen hatten. Entweder standen sie hinter der Hadriansbrücke, oder, wie es häufig geschah, an dem Platze, welcher Monte Giordano heißt. Obwohl dieser aus Schutt entstandene Hügel seinen Namen von Giordano Orsini, einem Edlen dieses alten römischen Geschlechts, empfangen hatte, der dort seinen Palast baute, so wählte man vielleicht um des Namens Jordan willen gerade diesen Ort für die Judenzeremonie; und dort standen die Nachkommen Israels, den prachtvoll in Gold gebundenen, mit einem Schleier bedeckten Pentateuch haltend, umringt vom verhöhnenden Volk und allen Mißhandlungen des Spottes oder Hasses ausgesetzt, bis der Papst erschien, und sie ihm kniend das Gesetz überreichten. Mit der Zeit wurde die Mißhandlung der Juden bei dieser Gelegenheit so groß, daß ihrem dringenden Flehen nachgegeben ward, und ihnen Innocenz VIII. Cibo zuerst im Jahre 1484 erlaubte, im innern Raum des Kastells Sant Angelo zu erscheinen. Die Feierlichkeit beschreibt der Zeremonienmeister Burkhard: «Als der Papst vorüberkam, hielt er nahe am Kastell Sant Angelo an, und die Juden, welche sich an die untersten Zinnen im Winkel des genannten Kastells gegen das Erdgeschoß zurückgezogen hatten, im Ornat und mit ihrem Gesetz, reichten es dem heiligen Vater zur Anbetung und Verehrung, mit hebräischen Worten ungefähr dieses Sinnes den Papst anredend: ‹Allerheiligster Vater, wir hebräischen Männer flehen Eure Heiligkeit im Namen unserer Synagoge an, daß wir gewürdigt werden möchten, daß uns das Gesetz, vom allmächtigen Gott dem Moses, unserm Priester, auf dem Berge Sinai übergeben, möge bestätigt und gebilligt sein, wie auch andere erhabene Päpste, die Vorgänger Eurer Heiligkeit, es bestätigt und gebilligt haben.‹ Es antwortete der Papst: ‹Wir billigen das Gesetz, aber euren Glauben und eure Auslegung verdammen wir, weil der, von dem ihr sagt, er werde kommen, gekommen ist, unser Herr Jesus Christus, wie die Kirche uns lehrt und predigt.› Nach vollendeter Zeremonie zogen sich die Juden zurück.»

Erinnert man sich, daß jenes Kastell Sant Angelo das Grabmal Hadrians war, des Kaisers, welcher Jerusalem zum zweitenmal von Grund aus zerstört und die Juden in die Sklaverei verkauft hatte, so stand auch dieser Ort zur Geschichte Israels in einer kränkenden Beziehung; denn das Andenken Hadrians hassen die Juden wie das des Titus.

Ausnahmsweise empfing Pius III. im Jahre 1503, weil er krank war, die Juden in einem Saal des Vatikans selbst. Julius II. empfing ihre Huldigung wieder am Grabmal des Hadrian, wobei sie einen langen Sermon machten, und besonders der spanische Rabbi Samuel, der Leibarzt des Papstes, mit Beredsamkeit sprach. Der Papst antwortete «prout in libello», das heißt nach Vorschrift des Zeremonienbuchs. 

(https://www.projekt-gutenberg.org/gregorov/wanderit/wand084.html)


Endlich errichtete Paul IV. den Ghetto oder Judenzwinger. Bis auf seine Zeit hatten die Juden die, wenn auch nicht ausgesprochene Freiheit, überall in Rom zu wohnen. Natürlich wohnten sie sehr selten in der Mitte der Stadt, noch unter den Christen, ihren Hassern, zerstreut, sondern hielten sich beieinander in Trastevere und an dem Flußufer bis zur Brücke Hadrians. Nun wies ihnen der Papst, nach Art der Venezianer, ein streng abgesperrtes Quartier an, welches wenige enge Straßen unmittelbar am Tiber umfaßte und von der Brücke Quattro Capi bis zum heutigen «Platz der Tränen» reichte. Mauern oder Tore sperrten das Judenviertel. Man nannte es zuerst «Vicus Judaeorum», dann kam der Name Ghetto dafür auf, der nicht mit der venezianischen Benennung Guidecca zusammenzuhängen scheint und wahrscheinlich aus dem talmudischen Wort «Ghet» gebildet ist, welches Absonderung heißt. Es war am 26. Juli 1556, als die Juden Roms in diesen Ghetto zogen, weinend und seufzend wie ihre Vorfahren, da man sie in die Gefangenschaft führte.

So war Paul IV. Caraffa der grausame Pharao für die Juden Roms, welcher sie all den Übeln aussetzte, die aus Mangel an Raum und aus der niedern Lage der Wohnungen am Fluß entspringen mußten, und diese Übel waren Seuchen und das Fieber und ein ganzes Heer ägyptischer Plagen, deren Schrecken in Wahrheit schwer zu beschreiben sind. Als Caraffa im Jahr 1559 starb, und das römische Volk seine Wut an dem Toten auszulassen aufstand, das Haus der Inquisition plünderte und die Minerva, das Kloster der Dominikaner, stürmte, sah man auch die Juden, furchtsam Menschen, die sich an den Revolutionen selbst zur Zeit des Cola di Rienzo nie beteiligt hatten, aus ihrem Zwinger hervorkommen und Flüche auf das Andenken Pauls IV. schleudern. Ein Jude durfte es sogar wagen, der Statue des Papstes auf dem Kapitol den gelben Schandhut aufzusetzen; das Volk lachte, zertrümmerte die Bildsäule und schleifte ihren Kopf mit der Papstkrone durch den Kot. Welchem Schicksal aber die Juden Roms nach Einführung der neuen Ketzertribunale der Inquisition entgegengingen, wird derjenige wohl wissen, welcher mit der Geschichte jener Zeit bekannt ist. Viele Juden verbrannte man auf dem Platz der Minerva oder auf dem Campo dei Fiori, wo die Autodafés gehalten wurden. Es war die fürchterliche Zeit, da man auch Giordano Bruno lebendig verbrannte.

In den Ghetto eingesperrt, waren die Juden in fremdes Eigentum eingezogen. Denn die Häuser des Viertels gehörten Römern; auch angesehene Familien wohnten daselbst, wie die Boccapaduli. Ausziehend, blieben diese Eigentümer, jene Mieter. Weil sie aber für immer in jene Straßen eingesperrt wurden, mußten sie ein dauerndes Mietverhältnis feststellen, denn ohne dasselbe konnte sich für die Juden zweierlei Not ereignen: Obdachlosigkeit, wenn es dem Eigentümer einfiel, dem hebräischen Mieter zu kündigen; unerträgliche Verschuldung oder Zahlungsunfähigkeit, wenn er darauf verfiel, den Zins zu steigern. So entstand das Gesetz, welches verordnete: die Römer bleiben im Eigentum der an die Juden vermieteten Wohnungen, aber jene haben die Häuser in Erbpacht; niemals darf dem jüdischen Einwohner die Miete gekündigt werden, sobald er den Zins richtig gezahlt; niemals darf der Zins erhöht werden; der Jude kann nach seinem Willen das Haus verändern und erweitern. Man nannte und nennt dieses noch heute bestehende Recht das «Jus Gazzagà». Kraft desselben ist der Jude im Erbbesitz des Mietkontrakts und darf diesen an Verwandte oder andere verkaufen, und noch heutigentags gilt es als eine köstliche Habe, im Besitz des Jus Gazzagà oder eines erblichen Mietkontraktes zu sein, und hochgepriesen wird das Judenmädchen, welches ihrem Bräutigam als Mitgift ein solches Dokument aufzuweisen imstande ist. So ward durch dieses wohltätige Gesetz dem Juden ein Dach gegeben, welches er gewissermaßen das seine nennen durfte.

Die Bulle Pauls IV. bestätigte Pius v. Ghislieri im Jahre 1566, er erließ strenge Verordnungen gegen das Herumschweifen der Juden, welchen befohlen ward, mit der Nacht im Ghetto sich wieder einzufinden. Denn nach Ave Maria schlossen sich unerbittlich die Tore des Zwingers, und Strafe traf den draußen Ergriffenen, wenn es ihm nicht gelang, durch Geld die Wächter zu bestechen. Im Jahre 1569 untersagte derselbe Papst den Juden, in anderen Städten des Kirchenstaats zu wohnen als in Rom und Ancona, da sie vordem auch in Benevent und Avignon geduldet waren. 

(https://www.projekt-gutenberg.org/gregorov/wanderit/wand085.html)

2.2.22

Die Welt ist ungerecht, und ich profitiere davon

 Wer fährt jetzt noch in die kriegsbedrohte Ukraine? Und warum? ZEIT 3.2.22

 Oskar Lafontaine sagt: "Das, was ich schaffen wollte, habe ich nicht erreicht." ZEIT 3.2.22

Ich schrecke vor ganz anderen Herausforderungen/Zumutungen zurück als vor einer 24-stündigen Busfahrt von Berlin ins kriegsbedrohte (?) Kiew. 

Auch ich habe - wie Lafontaine - nicht erreicht, was ich wollte, aber in vielem mehr, als zu erwarten war. 

Weniger begabt, weniger weit aufgestiegen als dieser und dankbar, dass ich selbst in dem unverdient glücklichen Deutschland  noch auf der Sonnenseite lebe, kann ich einem Kameruner und einem ehemaligen Klassenkameraden die Möglichkeit geben, über Internet ein klein wenig mehr Öffentlichkeit für ihre Leistungen zu schaffen, als ohne es hätten. Müde und oft schlaflos, aber immer wieder an Projekten, die wenigsten einen kleinen Sinn versprechen. 

Büscher hat sich auf dem Weg von Berlin nach Moskau noch mehr zugemutet als strapaziöse 24 Stunden und mit einem beeindruckendem literarischen Ergebnis. 

7.1.22

Resonanz

 Ich lese von Hartmut Rosa über Resonanz und Verfügbarkeit

Da stoße ich bei Twitter auf einen Retweet meines Blogbeitrags vom 30.1. 2018 über Lehrerarbeitszeit:

20.9.21

Ein kleiner Abendspaziergang durch Youtube

 Gero von Boehm u. Christopher Clark

https://www.youtube.com/watch?v=ersxgu8Mu9Y

Inge Jens Erinnerungen an ihre Herausgebetätigkeit und die Familie Mann

Beginn mit der Edierung der Briefe Th. Manns an Ernst Bertram (1960)

https://www.youtube.com/watch?v=8wpHt4CO3_k 

Inge Jens über ihr Leben

https://www.youtube.com/watch?v=1HQTd5Ef4GA

Inge Jens bei Albert von Schirnding

https://www.youtube.com/watch?v=zOK2C43Ep7g

Frido Mann über seinen Großvater Thomas

https://www.youtube.com/watch?v=DMLYHglWuSo

Frido Mann und seine Frau Christine, geb. Heisenberg

https://www.youtube.com/watch?v=VYlbqgPzvl0

Adolf Muschg: Loslassen ist die Kunst des Lebens

https://www.youtube.com/watch?v=RtF6qsFcmuw

22.8.21

mündliche Überlieferung und Recherche im Internet

 In einem privaten Brief von 1956 findet sich im Bericht über eine Fastnachtsfeier die Passage: "Ihr Vöglein zwitschert Gesang der Wonne, ihr Felsen in freudiger Rührung erwacht… Prinz Karneval kommt mit seiner Pracht"

Im Internet findet sich beim Schwäbischen Albverein folgende Version:

(I) Ihr Vögel, zwitschert Gesang der Wonne!
Ihr Felder und Wälder zum Jebel erwacht!
(II) Verneiget euch! Die Morgensonne,
die Sonne kommt in ihrer Pracht,
(III) die Sonne kommt, die Sonne kommt,
sie kommt in ihrer Pracht.

Hier darf man einen Tippfehler vermuten: Jebel statt Jubel.

Meine Erinnerung überliefert mir folgenden Text (mit Melodie):

"Ihr Vöglein zwitschert Gesang der Wonne,

ihr Wälder vor lauter Rührung erwacht.

Verneige dich, du Morgensonne!

Der Sultan kommt in seiner Pracht.

Der Sultan kommt, der Sultan kommt,

er kommt in seiner Pracht."

Es ist immer wieder interessant, wie mündliche Überlieferung verändert. Meine Erinnerungsversion geht darauf zurück, dass dieser Vers in unserer Familie relativ oft gesungen wurde. "Prinz Karneval" ist offenbar wegen des Anlasses aufgenommen worden, die Felsen wohl um der gesteigerten Unmöglichkeit.

Meine Erinnerung liefert mir dazu auch noch folgenden Text (mit einer ganz anderen Melodie):

"Pflichtschuldigst gähnet ihr Getreuen, 

der große Sultan hat gegähnt."

Dazu liefert das Internet bei Google books von August “von” Kotzebue · 1841: Theater, Band 35, S.284:

[...] Sult. Nun, so gehn wir. (Er gähnt)

Gähnendes Chor

Pflichtschuldigst gähnet, ihr Getreuen!
Doch wird ein Lächeln ihn erfreuen,
So lacht, bis euch das Auge thränt.

Ehrmann (zugleich).

Sie wechseln die gefärbten Brillen,

Sie jauchzen blind ihm Beifall zu,
Orakel sind des Herrschers Grillen,
Oh Welt! c'est tout comme chez nous..
(Der Vorhang fällt.)

So angeregt, ergänzt meine Erinnerung (mit der Stimme meiner großen Schwester gesungen) "Wird ein Lächeln ihn erfreuen, wird ein Lächeln ihn erfreuen, so lacht, bis euch das Auge tränt." (Aber nichts von "gefärbten Brillen")

Da nicht alle Texte in Google books nur zum Teil zugänglich sind, konnte ich herausfinden, dass die Texte, die ich in Erinnerung hatte, alle aus der fantastischen Oper "Die Brillen-Insel" von August Kotzebue stammen. (Google books Band 35, S.243ff.

Dort findet sich vor den hier zitierten auch die folgende:

Ihr Vögel, zwitschert Gesang der Wonne!
Ihr Felsen in freudiger Rührung kracht!
Verneige dich, o Morgensonne!
Der Sultan kommt in seiner Pracht!

Die Melodien, die ich kenne, stammen also aus einer Vertonung dieser Oper.

Während die oben angeführten aus der 8. Szene des 1. Aufzugs stammen, findet sich der folgende in der 7. Szene des 2. Aufzugs, S.275:

"Er ist da! er ist da!

In seiner Gloria!

Die Freude will uns ersticken!

Wir wissen vor Entzücken
Uns gar nicht zu lassen,

Uns gar nicht zu fassen,

Denn er ist da
In seiner Gloria!"

Nun hilft wieder die Erinnerung weiter. Meine Schwestern, von denen ich Texte und Gesang kennenlernte, waren beide in einer Kindermusikgruppe, der Kleinen Singgemeinde Eschwege von Kristine Biechtler. Dort wurde vermutlich ein Teil dieser Oper aufgeführt. Ob in der Originalvertonung oder in einer für Kindergruppen muss vorläufig offen bleiben. 

August von Kotzebue (Wikipedia)

"[...] Kotzebue galt als ein Vater der dramatischen Trivialliteratur, womit ihm zugleich ein Anteil an der Schaffung einer bürgerlichen Öffentlichkeit im Deutschland des 19. Jahrhunderts als Verdienst verblieb. Heute bemüht man sich, die einseitige Negativkanonisierung (Simone Winko 1999) zu überwinden und Kotzebues persönlichem Anteil an den politischen Anliegen der Spätaufklärung gerecht zu werden. Hier sind vor allem die jährlichen „Kotzebue-Gespräche“ zu erwähnen, die abwechselnd in Tallinn (Reval) und in Berlin stattfinden und die seit 2012 von der Akademie der Wissenschaften in Berlin/Brandenburg, von der estländischen Botschaft in Berlin und von der Musik- und Theaterakademie in Tallinn veranstaltet werden. Zwei Tagungsbände sind schon erschienen (Gerlach, Liivrand, Pappel (Hrsg.) 2016, und Košenina, Liivrand, Pappel (Hrsg.) 2017).

Zu Lebzeiten wurden zwei Sammlungen von Kotzebues Dramen veröffentlicht: Schauspiele (5 Bde., 1797); Neue Schauspiele (23 Bde., 1798–1820). Sämtliche dramatische Werke erschienen 1827–29 in 44 Bänden und unter dem Titel Theater 1840–1841 in vierzig Bänden. [...]

Die Zahl seiner Lustspiele und Dramen beläuft sich auf mehr als 220; 87 davon inszenierte Goethe mit insgesamt 600 Vorstellungen. Kotzebues Popularität war beispiellos, nicht bloß in Deutschland, sondern auch auf den Bühnen des europäischen Kulturraums. Neben August Wilhelm Iffland war Kotzebue der produktivste und erfolgreichste Bühnenautor seiner Zeit.[13] Sein Erfolg basierte auf seinem Gespür für populäres Theater in Stoff und Gestaltung. Beispiele dafür sind seine Komödien Der WildfangDie beiden Klingsberg und Die deutschen Kleinstädter, die eindrückliche Genreschilderungen deutschen Lebens enthalten. Berühmte Komponisten der Zeit vertonten seine Texte: Ludwig van Beethoven komponierte die Musik zu Kotzebues Die Ruinen von Athen (op. 113) sowie zu König Stephan (op. 117) anlässlich der Eröffnung des neuen Opernhauses in Pest im Jahre 1812; Antonio Salieri schrieb die Schauspielmusik zur Wiener Aufführung der Hussiten vor Naumburg (1802/03); und auch der junge Franz Schubert vertonte einige Libretti des Dichters, darunter das Singspiel Der Spiegelritter D 11 (1813) und die „natürliche Zauberoper“ Des Teufels Lustschloss D 84 (1813/14). Albert Lortzing schrieb 1843 sein Libretto zur Oper Der Wildschütz nach Kotzebues Lustspiel Der Rehbock oder Die schuldlos Schuldbewußten. [...]"


27.6.21

Traum

 Jemand bringt mir in einem kleinen Glasgefäß (Phiole Faust II, Homunkulus) den intensiven Duft der Tundra. Ich stehe mit ein paar Mitfahrern am Ende einen Autoschlange. Da höre ich den Lärm eines Autounfalls hinter mir. Ein riesiger Laster hat hinter mir sein Gefährt gegen die Felswand gelenkt, offenbar, um zu vermeiden, dass er mich, unser Auto überrollt. Dankbarkeit, Bewunderung. Im Halbschlaf des Aufwachens dann die Frage: Hat er es vielleicht ur aus Imagegründen getan, um seine Verantwortung zu demonstrieren?

Ich hatte - wieder einmal nachts aufgewacht - im Begleitbuch zum Funkkolleg "Mensch und Tier" über Tierversuche gelesen und darüber wie unersetzlich sie - trotz der Möglichkeit, vieles durch Computersimulationen zu ersetzen - in der Grundlagenforschung noch sind, so lange sind, wie man noch so wenig weiß über das Funktionieren eines Gesamtorganismus.(Kapitel 10: Anneke Meyer: Dr. med. Wurm. Tiere in der Medizin: S.102ff.)

11.6.21

Sprachliche Schluderei

 Früher haben mein Sohn und meine Frau mich auf unsensible Sprache aufmerksam gemacht, die mir als normal erschien, weil ich bei meinen Korrekturen als Deutschlehrer nich einen solchen Maßstab hätte anlegen können, weil ich dann nämlich gar nicht mehr vorangekommen wäre.

Jetzt begegnen mir in der ZEIT in einer Nummer so viele sprachliche Schludereien, dass ich das Feuilleton kaum noch weiterlesen mag. So waren mir Politik und Wirtschaft eine Erholung. Das war früher umgekehrt.