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18.9.24

Tagebucheintrag

 Gelbe Säcke herausgestellt.

Auf der Fahrt zum Niederwaldsee riesige rote Sonne kurz über dem Horizont.

Am Niederwaldsee kurz nach dem Sonnenuntergang helle erste Dämmerung, dunkles Wasser, keine Tiere, Kondensstreifen von zwischenzeitlich fünf Flugzeugen am Himmel. Unerwartet auf der Ostseite eine Bank frei. Anscheinend sogar auch sonst keine Bank besetzt. Autobahnrauschen.

Auf dem Rückweg: ein E-Rollerfahrer wartet auf dem Seitenstreifen, ein Trecker, mit seinem Gerät die voller Wegbreite einnehmend, fährt freundlich weit auf den Seitenstreifen, ein Jogger.

Da ich mein Hörgerät herausgenommen habe, Ruhe.

Zu Hause Zeit, das Hochbeet und die Töpfe reichlich zu wässern, gleichzeitig den Schlauch für die Begonie laufen lassen. Ruhe.

8.8.24

Wozu ein Literaturblog gut ist

 Ich liebe den Storm-Kellerschen Briefwechsel und entdecke jetzt in meinem Blog in dem Briefwechsel zwischen Keller und Paul Heyse (nicht zuletzt wegen des Du) einen sehr viel lockereren Ton, wo auch allerlei Literaturspezifisches angeschnitten wird. Hier ein kurzes Zitat:

"Keller an Paul Heyse

Zürich 9 VII 1880.

Lieber Freund! Tausendfältigen Dank für Brief und Weiber von Schondorf. Ich will nun trachten, meine "schonende Freude" (ein ingeniöser Ausdruck!) mit deinem dramatischen Hypochondrismus möglichst zärtlich zu vermählen, ohne der Aufrichtigkeit Eintrag zu thun. Da muß ich denn zuvorderst bekennen, daß Du mit der gewählten Auffassung und Behandlung Recht hast. Der erste flüchtige Eindruck war bei mir, es dürfte ein bischen bunter und breitspuriger sein; allein am gleichen Tag noch, eh' der Brief nachkam, fand ich, dadurch käme man sogleich in's sogenannte Shakespearisiren hinein, im bekannten Stil der bekannten Uebersetzung, und dann würden alle feineren Leute sagen: connu! So aber hast Du ganz das Richtige getroffen, indem Du das Motiv aus sich selbst heraus sich hast entwickeln lassen und nichts dazu gethan, als die höhere ethische Frage. Eine gute Ausstattung und Inscenirung, welche ja auf jeder Seite mitdichtend vorgesehen ist, muß das deutlich herausstellen. Beim Lesen hat mir, beiläufig gesagt, in ein par Interjectionen und proverbialen Wendungen die Manier etwas zu tief gegriffen erscheinen wollen. Da ich aber auf der Bühne | nicht zu Hause bin, so mag diese Bemerkung nichtig sein. [...]"

Wenn man Keller so über Heyse schreiben sieht, könnte einen fast schon die Lust ankommen, auch mal Heyse zu lesen, wenn man nicht doch den Verdacht hätte, dass er zu sehr stilisiert schreibt. Heysenovellen bei Gutenberg.org:

31.5.24

Facebook u.a.

 Heute ein Tagebucheintrag (auf Papier) zu wieder aufgenommener Gewohnheit, abends Musik zu hören. In der FR von Sophie Passmann eine Kolumne, dass von 2010 bis 2015 gefühlt jeder bei Facebook war. Dann Niedergang. Jetzt Erholung bis auf etwa Stand von 2016.

Ich besinne mich an meinen Artikel, in dem ich darüber schrieb, weshalb ich nicht bei Facebook bin, den ich gelegentlich mal verlinkt habe, finde ihn jetzt aber nicht mehr. [Es war der vom 19. Oktober 2011].  Ob er bei Schnipsel war? (Dort 21 Artikel zu F., der letzte 2023, der erste 2012)

 2017 zitiere ich dort einen Eintrag von mir vom 19. Oktober 2011, wo es heißt "Facebook lehne ich ab". Der war auf  Fontanefan, meinem Lehrerblog. Dort der erste von 9 Artikeln 2009 über meine "Freundschaft" mit dem Facebook-Account eines 7-jährigen polnischen Holocaustopfers. Schon da ist klar, dass ich Facebook nicht wirklich nutze, obwohl ich mich wegen meiner afrikanischen Bekannten dort angemeldet hatte (der Kontakt läuft weiterhin über E-Mail). 2011 dort eine scharfe Kritik an Google+ mit dem Satz: "Die Willkür unterscheidet sich kaum noch von Facebook." (2011 lief eine Blogparade über Social Media, an der ich teilgenommen habe.)

Unsere Familie tauscht sich bei Signal aus. WhatsApp lehnen wir wegen Facebook Zuckerberg ab (bei Fontanefan 2018 ein ausführlicher Artikel über seine Befragung), bei WhatsApp ist meine Frau zusätzlich zu Signal wegen einiger Bekannter, die nicht auf Signal sind. 

29.5.24

Gegenwärtige Lektüre

 Während vorher Flora Thompson als Hauptthema und der Heliand nebeneinander liefen, sind es jetzt Christa Wolf "Ein Tag im Jahr" und als Bettlektüre Fürst Pückler-Muskau und die Einrichtung von Parks ("seine Weiterentwicklung des „englischen Gartenstils“ in den Parks von Muskau und Branitz " (Wikipedia). Daneben fast täglich ein wenig duolingo. Seit einiger Zeit Esperanto. Hat Italienisch abgelöst. 

24.5.24

Was ich nicht über Briefmarken wusste

 



 Der Sammler Uwe Schütte berichtete am 23. Mai 2024 in der Freitag sehr viel, was mich emotional berührt, weil ich als Kind und zeitweise noch als Jugendlicher eifriger Sammler war. 

Es folgten Jahrzehnte, wo ich kaum je wieder eins meiner Alben in die Hand nahm. Oft nur, weil ich nicht wusste, ob es ein Buch oder ein Album war und wenn, was ich darin gesammelt hatte. 

Sachdienlich berichtet über Briefmarken die Wikipedia, natürlich auch vieles, was ich nie wusste, insbesondere natürlich wie über Links und bei den Commons.

Es gab Zeiten, wo umfangreiche Briefmarkensammlungen viel wert waren und wo man Marken vom Händler bezog, um die Sammlung zu vervollständigen, weil unvollständige Serien nichts Rechtes galten. Meine Schwester hat noch in Zeiten ihrer Arbeitslosigkeit sich von der Post alle neuen Serien schicken lassen und sie dann an uns verschickt, damit wir sie ihr wieder schickten. Denn wir sammelten nur gestempelte Marken, weil sie ursprünglich schon ihren Wert durch ihre Arbeit abgegolten haben sollten und erst durch die Sammlung an Wert gewinnen.

Dazu Uwe Schütte: "Das Geschäftsmodell Briefmarkenhandel hat sich erledigt, endgültig."

Irgendwie fand ich es immer gegen meine Ehre, für Briefmarken als Sammlerobjekt zu bezahlen. Händler und Briefmarkenkataloge waren daher so etwas wie "sachfremd". Heute berührt es mich nostalgisch, dass nach Jahrzehnten, wo mich Briefmarken allenfalls als noch Briefschmuck interessiert haben, das Sammlerwesen ganz vorbei sein soll. 

25.3.24

Matthias Claudius, Jacobi und Goethe

 Anhand des Exemplars von Claudius' sämtlichen Werken habe ich nachgelesen, dass er im 5. Band seines Asmus omnia sua secum portans 1786 bei einer Kontroverse zwischen Moses Mendelssohn und Friedrich Heinrich Jacobi über Lessings Auffassung von Spinoza recht vernünftig argumentierend Jacobi Recht gibt (S.350-360). Jacobi, der in der Literaturgeschichte als unverständiger Kritiker des Werther und Verfasser des trockenen Woldemar bekannt ist, in der Wikipedia aber als einer der wichtigsten Philosophen seiner Zeit vorgestellt wird.

Wikipedia: Diese Debatte setzte sich der Sache nach fort in Jacobis zweiter philosophischer Hauptschrift, dem 1787 erschienenen Dialog David Hume über den Glauben oder Idealismus und Realismus. Hierin unternahm Jacobi eine fundamentale Bestimmung von Wirklichkeit, in der er sich, ebenso wie schon in seiner Auseinandersetzung mit Spinoza, in wesentlichen Punkten an der Erfahrung menschlichen Handelns orientierte. Darüber hinaus enthält der David Hume insbesondere in seiner Beilage Über den transzendentalen Idealismus die nicht weniger einflussreiche Kritik Jacobis an Kants Lehre vom „Ding an sich“ als jene doppelt problematische „Voraussetzung“, von der Jacobi in prominenter Formulierung bemerkte, „daß ich ohne jene Voraussetzung in das System nicht hineinkommen, und mit jener Voraussetzung darinn nicht bleiben konnte.“[15] Dies gilt nach Jacobi deshalb, weil ohne die Annahme von „Dingen an sich“ als Grund der sinnlichen Affektion Kants Konzept der Sinnlichkeit und damit die Zwei-Stämme-Lehre der Erkenntnis unverständlich bleibe, diese Annahme zugleich aber den systematischen Rahmen des transzendentalen Idealismus sprengen würde. Diese Diagnose Jacobis ist bis in die neueste Zeit „niemals mit textnahen Gründen zurückgewiesen worden.“16 [Peter Baumanns: Kants Philosophie der Erkenntnis. Durchgehender Kommentar zu den Hauptkapiteln der „Kritik der reinen Vernunft“, Würzburg 1997, 10.] Zugleich formulierte Jacobi mit seinem eigenen sowohl Kants transzendentalem Idealismus als auch einem später in Fichtes Wissenschaftslehre realisierten „spekulativen Egoismus“[17] entgegengesetzten „entschiedene[n]“[18] Realismus eine Position von unverminderter Relevanz. Jacobi ging es um die unmittelbar gegebene Gleichursprünglichkeit der Selbsterfahrung des erkennenden Subjekts sowie der zu erkennenden Gegenstände: „Ich erfahre, daß ich bin, und daß etwas ausser mir ist, in demselben untheilbaren Augenblick“[19], heißt es entsprechend im David Hume.[20]"

Dieser selbe Jacobi wurde offenbar von Goethe als Gesprächspartner ernst genommen und als sein "Freund" bezeichnet wird, obwohl er Goethes Ansichten nicht akzeptierte.

Wikipedia (Goethe#Religionsverständnis): "Zwar beschäftigte Goethe sich intensiv mit Christentum, Judentum und Islam und deren maßgeblichen Texten, doch wandte er sich gegen jede Offenbarungsreligion und gegen die Vorstellung eines persönlichen Schöpfer-Gottes. Der Einzelne müsse das Göttliche in sich selber finden und nicht einer äußeren Offenbarung aufs Wort folgen.[236] Der Offenbarung setzte er die Anschauung entgegen. Navid Kermani spricht von einer „Religiosität der unmittelbaren Anschauung und allmenschlichen Erfahrung“, die „ohne Spekulation und fast ohne Glauben“ auskomme.[237] „Natur hat weder Kern noch Schale / Alles ist sie mit einem Male“, heißt es in Goethes Gedicht Allerdings. Dem Physiker. von 1820, womit er betonte, dass die Natur in der Gestalt zugleich ihr Wesen zeige. Auf Friedrich Heinrich Jacobis Schrift gegen Spinoza hatte er 1785 dem Freund geantwortet, ein göttliches Wesen könne er nur in und aus den Einzeldingen erkennen, Spinoza „beweist nicht das Dasein Gottes, das Dasein ist Gott“.[238] In einem weiteren Schreiben verteidigte er Spinoza mit den Worten: „Ich halte mich fest und fester an die Gottesverehrung des Atheisten […] und überlasse euch alles was ihr Religion heisst“.[239]

In seinen Naturstudien fand Goethe für sich Grundfesten der Wahrheit. Immer wieder bekannte er sich als Pantheist in der philosophischen Tradition Spinozas und als Polytheist in der Tradition der klassischen Antike.[240] Diesbezüglich ist zu beachten, dass Wolfgang Bartuschat aufzeigt, dass die Philosophie Spinozas zwar als Monismus zu verstehen ist, dieser spinozistische Monismus ist aber nicht gleichzusetzen mit einer Sakralisierung der Natur, wie sie Goethe an den Tag legt.[241] Diese Vergöttlichung der Natur bei Goethe zeigt sich konkret darin, dass er in der Erforschung der Natur auch die Ergründung des Göttlichen sieht. Aus diesem Grund ist herauszustellen, dass Goethe eine bestimmte Interpretation Spinozas aufweist. Im Briefwechsel mit Friedrich Heinrich Jacobi tauscht sich Goethe im Jahr 1774 über die Philosophie Spinozas aus.[242] Für Jacobi ist Goethes Naturanschauung ein Determinismus, der den freien Willen des Menschen verstanden als autonome Selbsttätigkeit negieren würde.[243] Nach Jacobi zeigt sich diese autonome Selbsttätigkeit des Menschen in der erfahrbaren Lebenswirklichkeit im Handeln.[244] Ein alleinheitlicher Existenzhorizont führt Jacobi zufolge zu einem deterministischen Menschen- und Weltbild und ist daher anthropologisch zu problematisieren. Für Goethe stellt sich diese anthropologische Problematisierung auf diese Weise nicht, da er je nach Diskussionszusammenhang unterschiedliche Ansichten vertritt.

„Wir sind naturforschend Pantheisten, dichtend Polytheisten, sittlich Monotheisten.“

– Maximen und Reflexionen[245]"
Im weiteren Verlauf habe ich den im Nachwort angesprochenen scherzhaften Bericht von Claudius beim japanischen Shogun [von ihm als Chan und Kaiser bezeichnet] im 3. Teil des Asmus (1778), S.134-149, bei dem das angebliche Japanisch, zu dem auch noch Ausspracheregeln angegeben werden, immer grotesker verkürzt wird und später auch ganz fortfällt.

Im Verlauf meiner Lektüre fällt mir dann auf, dass Claudius mit Jacobi gereist ist, Lessing kannte (aber wohl zu seinen Freunden zählte) und Mendelssohn nicht kannte. Den Fehler, den er Mendelssohn vorwarf, nämlich die Verteidigung seines Freundes Lessing über die Wahrheit zu stellen, hat er vielleicht, so vernünftig Claudius zu argumentieren scheint, selbt begangen.

Für mich vor allem eine bessere Kenntnis von Claudius und Jacobi das Ergebnis. Das Claudius als tiefgläubiger Christ dem Juden Mendelssohn und dem Vertreter der Vernunftreligion bei aller gelebten Aufklärung, zu deren Vertretern außer den Vorgenannten ja auch Jakobi gehört, sollte mich das nicht zu sehr wundern.

3.2.24

Informationssicherheit und mein Gedächtnis sowie Gendern

  In einer Broschüre von Google lerne ich, dass Google mit vielen Institutionen zusammenarbeitet, um Cybersecurity zu verbessern.

Gemerkt habe ich mir, dass Google einen Professor Eckert an der Technischen Universität München mit eine erstaunlich hohen Summe unterstützt. 

Dann lese ich noch einmal nach, um festzustellen, wie hoch die Summe war, und finde:

"Anfang 2023 wurde dort die Partnerschaft mit der TU München erweitert: Mit einer finanziellen Förderung von mehr als 1 Million Euro  durch Google finanziert die Universität ein neues TUM Innovation Network Cybersecurity, in dem unter Leitung von Prof. Eckert akademische Teams aus unterschiedlichen Fachbereichen zu Zukunftsfragen rund um Cybersecurity forschen."

Über die Ungenauigkeit meines Gedächtnisses ist dazu anzumerken: Ich war mir nicht völlig sicher, ob es nicht auch 1 Milliarde gewesen sein könnte, als ich auf die Abkürzung TUM stieß, war ich zunächst unsicher, wofür sie steht und der Professor war für mich durchaus ein Mann. Erst ein Bild nebendran veranlasste mich dazu, die Bilderläuterung Prof. Claudia Eckert zu lesen. 

Ein geschlechtsneutrales Prof. hatte mich also nicht gehindert, mir einen männlichen Prof. zu merken. Ein Grund mehr, weshalb ich so viele Texte ins Netz stelle, um meinem Gedächtnis aufzuhelfen. Das Prof. der Notiz hätte meinem Irrtum freilich nicht abgeholfen.