18.11.18

Aus einer Mail

"[...] dass bei M.s Bestattung in Lübeck ein Gehörlosentreffen war mit lauter kleinen Gruppen, denen Stadtführer gestenreich erklärten, und von der etwas "einsilbigen" Unterhaltung mit einer einzelnen Dame am Tisch - es ging erstaunlich gut, ich konnte sie gut verstehen - bis wir dann merkten, dass wir beide nicht gehörlos waren. Da war die Unterhaltung dann durch kein Gespräch am Nachbartisch gestört.

Ich komme darauf, weil ich bei Willemsen: "Die Enden der Welt" gerade gelesen habe: 
"Ich sehe einem Gehörlosen-Pärchen auf dem Bürgersteig zu. Er bockt, hat seine Hand der ihren entzogen. Sie redet mit geräuschlos belfernden Lippen auf ihn ein. Er wischt alles weg. Ihre Gesten werden größer, sie machen sich Luft. Er stimmt ein gestisches Anschreien an, raum greifend, mit den klobigen Händen die Luft sichelnd. Ja, auch sonst scheint er ein Wunderlicher zu sein. Sie weicht 
zurück mit einer Mimik wie im Stummfilm, aber er hat nicht genug. Erst fährt seine Faust in den Himmel, darauf zieht er dreimal hintereinander eine jähe Linie zwischen sich und sie. Dann wendet er sich weg und lässt sie stehen. Aber schon wenige Meter später weiß er kaum, wie 
er sich noch orientieren soll. Synchron wenden sie sich wieder einander zu, getrennt, doch unfähig, es zu sein." [...]"