Seit Wochen habe ich die Bekannte nicht besuchen können. Allein traut sie sich nicht aus dem Haus, weil sie immer wieder mal unvermutet stürzt. "Können wir zusammen hinaus gehen?" "Ach nein, ich trau mich jetzt nicht." - Beim dritten Besuch: "Geht es jetzt?" Wir sitzen auf der Bank, da kommt der stürmische Hund des Nachbarn und stürzt sich auf sie. Er riecht, dass sie eine Hunde- und Katzen"närrin" ist, Sie wird abgeschleckt. Ich daneben bleibe unbehelligt.
In der Zeitung (oder im Netz) ein Foto von Löwe und Mann, die beieinander liegen. Der Mann hat das Löwenbaby großgezogen. Eine enge Verbindung. Absichtlich hat er ihn nicht trainiert, will ihm möglichst viel von seiner Wildheit lassen.
Wenn sie miteinander spielen, ist es freilich nicht ungefährlich. So manches Mal musste er sich nähen lassen, weil eine Tatze ihm die Haut aufgerissen hat. Bei der üblichen stürmischen Begrüßung hat der Löwe ihm auch schon einmal eine Rippe gebrochen. Das war kein Ende der Freundschaft. Zu sehr weiß er die Gemeinschaft mit dem Löwen zu schätzen.
Älter als der Bericht von Noah und der Sintflut ist der über Gilgamesch und seinen legendären Freund, den Löwenmann Enkidu. "Sie sind eins und teilen nicht nur Tisch und Bett und ihre Frauen, sondern jede Freud und jedes Leid. Enkidu ist die beseelte Seite Gilgameschs, der mit den Instinkten eines Löwen begabte, dennoch oder gerade deswegen ohne Falsch und Hinterlist Lebende und Denkende, wo Gilgamesch eitel, ruhm- und machtbesessen ist, aber auch ein selbstbewußter Herrscher und kampferprobter Feldherr. Sie kennen und lieben die Stärken wie die Schwächen ihres Widerparts und erleben, wie sie vereint unbesiegbar sind." (Stephan Grundy: Gilgamesch)
Der nackte, behaarte und wilde Enkidu lebte zunächst mit den Gazellen der Steppe, aß Gras mit ihnen und trank mit ihnen von der Wasserstelle. Auch beschützte er sie vor den Fallen des Fallenstellers, des Urjägers, und zog so dessen Zorn auf sich, da dieser seiner Arbeit nicht ungehindert nachgehen konnte. Dieser beschwerte sich daraufhin bei seinem Vater, der ihm riet, sich an König Gilgamesch von Uruk zu wenden. Gilgamesch, der ein Drittel Mensch, zwei Drittel Gott ist, hatte durch einen Traum bereits von Enkidu erfahren und riet dem Fallensteller Hierodule Schamchat mitzuführen, deren Macht der eines Mannes gleich sei. Enkidu erlag somit der Sinnlichkeit der von Gilgamesch gesandten Tempeldienerin Schamchat, vereinigte sich sieben Tage und Nächte mit ihr und wurde so „zivilisiert“ und der Natur entfremdet. [...]" (Wikipedia)
Gemeinsam gelingt es ihnen, den Himmelsstier zu besiegen. Doch die Götter strafen Enkidu für diese Tat, er stirbt und Gilgamesch sucht ihn in der Unterwelt. Dort merkt Gilgamesch, dass er allein hilflos ist. Die ihm überlegenen Mächte helfen ihm aber mit guten Ratschlägen aus, statt ihn zu vernichten. Und er seinerseits weiß, dass er ohne ihre Hilfe sein Ziel nicht erreichen kann.
No comments:
Post a Comment