7.5.17

Fernsehen im Urlaub


Dass immer das Böse im Menschen thematisiert wird und verwendet wird, um psychologische Studien, der Schilderung von originellen Charakteren und attraktiven Orten durch Sensationelles aufzuwerten, spannender zu machen, gefällt mir nicht.
Rätselhaftes, Geheimnisvolles, Aufregendes gibt es doch auch, ohne dass immer einer Person das Kainsmal des Mordes aufgedrückt werden muss.

Doch nun sah ich einen Tatortkrimi, der sich von diesem Aufgeputschten, Aufgepufften distanzierte.
Immer wo Gesten, Mimik und Schnitte besonders bedeutungsgeladen daher kamen, wurden sie von einem Erzähler ironisiert, der durch Doppelung des Bedeutungselements ein entfremdendes Element beisteuerte. In kurzen, knappen, nur das Äußerliche schildernden Kommentaren wurde eine zweite Ebene geschaffen. Leicht irritierend war schon, wenn das, was gezeigt wurde, noch einmal mit Worten beschrieben wurde. Besonders wirkungsvoll aber war die Verfremdung dann, wenn - wie in einer Regieanweisung - zuerst Mimik und Gestik beschrieben wurden, bevor der Schauspieler sie nachspielte und das so rasch, dass verblüffte, wie perfekt er in Sekundenschnelle genau den Ausdruck annehmen konnte, der angekündigt worden war.
Dadurch wurde auch alle Effekthascherei durch übertriebenen Ausdruck, durch handlungstrennende Schnitte und durch unwahrscheinliche Handlungskonstruktion als künstlich und aufgesetzt entlarvt. - Dies Stilmittel machte zu Kunst, was gewollt, aber nicht erreicht hätte scheinen können.
Endlich ein Tatort, den ich mir ansehen konnte, ohne mich zu ärgern!

Als ich am nächsten Tag nach den Nachrichten wieder in einen Krimi geriet, fand ich zu einem Erstaunen dasselbe Stilmittel wieder vor. Und haargenau in der gleichen Weise eingesetzt.
Ein Stilmittel, das ich zuvor noch nie in einem Krimi wahrgenommen hatte, an zwei aufeinander folgenden Tagen? Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen.

Da hatte ich plötzlich das Gefühl eines Déja-vu-Erlebnisses. Ich hatte etwas Ähnliches doch vor vielen Jahren schon einmal gesehen: Das war in einem Spielfilm für Blinde.

Inzwischen hat meine Frau herausgefunden, wie sie auch unseren häuslichen Fernseher so einstellen kann, dass er bei Tatortkrimis immer diesen schönen ironisierenden Kommentar liefert.
Übrigens muss es eine Menge Arbeit machen, die sehr gekonnten Texte abzufassen und geschickt in die stummen Szenen der Filme einzufügen. 



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