13.2.20

Zufallsbekanntschaft

Ich habe ihr in der Bahn zugehört, wie sie mit ihren Kolleginnen über das Leichtathletiktraining sprach, zu dem sie fuhren. Mir fiel auf, wie abhängig sich die Sportlerinnen von ihren männlichen Trainern fühlten. Sie fiel mir auf, weil sie die Vernünftigste und Reifste aus der Gruppe zu sein schien. Vermutlich war sie auch die Schönste, sonst hätte ich mich nicht so lange an dies Gespräch in der Bahn erinnert.
Ob ich je ihren Namen gewusst habe, weiß ich nicht. Ich vermute, dass ich, als sie deutsche Meisterin im 800-m-Lauf wurde, ihr Bild in der Zeitung gesehen und damals geglaubt habe, sie identifizieren zu können.
Seitdem habe ich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder einmal etwas über ihre Rolle als Sportfunktionärin und als Kommunalpolitikerin gelesen und mich gefreut, dass sie dabei immer gut weg kam. Jetzt lese ich, dass sie als Rechtsanwältin den Neuanfang der AWO in Frankfurt moderieren wird und dass sie 1982, als die sozialliberale Bundesregierung auseinander brach, in einem Akt der Solidarität der AWO beigetreten sei (offenbar, weil sie die irgendwie mit dieser Koalition - vermutlich primär mit der SPD - assoziierte).

Eine Bekanntschaft war sie nur für mich, weil ich einmal mit ihr im selben Bahnabteil gesessen habe und danach die Gelegenheit hatte, ihren Lebensgang (oder auch nur den der Person, mit der ich sie identifizierte) aus der Ferne mitzuverfolgen.

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