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5.2.23

Im Dunkeln

 Nach Einbruch der Dunkelheit gehe ich über spärlich beleuchtete Wege durch den Abend. Der Regen hat aufgehört. Es geht ein ganz leichter Wind. Da hoppelt mit etwas entgegen und an mir vorbei. Ich sehe ihm nach und erkenne, dass es ein vom Regen erfasstes welkes Blatt ist, das gleichsam über den Boden rollt. Die Feuchtigkeit gibt ihm die Schwere, dass es nicht davongetragen wird, sondern immer nur kurzfristig die Bodenhaftung verliert.

Wäre es etwas heller gewesen, hätte mich diese Art der Bewegung nicht aufmerksam gemacht, sie wäre zu selbstverständlich gewesen. 

16.11.22

Fridays for Future und Greta Thunberg

 Ich beschäftige mich gegenwärtig intensiv mit Greta Thunbergs Klima-Buch und habe dazu Artikel in ZUM Unterrichten, in der Wikipedia und auf Wikiversity erstellt. (Der Artikel auf Wikiversity soll dazu dienen, Informationen, die nicht ins Wikipediaformat passen, auch außerhalb von ZUM Unterrichten bekannt zu machen. Dazu dienen auch Blogartikel, die auf den Artikel bei der ZUM zurückgreifen.)

Daneben lese ich auch Vanessa Nakates Buch: Unser Haus steht längst in Flammen und schreibe dazu Blogartikel.

Angesichts der Tatsache, dass an Thunbergs Klimabuch über 100 zum Teil hochrenommierte Wissenschaftler und Aktivisten aus einer Vielzahl von Staaten und mit unterschiedlichen Berufen mitgearbeitet haben und dass dies Buch für mich in ungewöhnlichem Maße Wissenschaftlichkeit und Verständlichkeit im Sinne einer Werbung für eine politische Aktion verbindet und weil Vanessa Nakate, die großen Wert darauf legt, dass der afrikanische Standpunkt gehört wird, Greta Thunbergs Autorität nicht infrage stellt, obwohl sie weiß, Europäerin (und vergleichsweise unwichtig - auch jünger) ist: Und auch aufgrund der Lektüre des Wikipediaartikels zu Thunberg stellt sich mir die Frage, ob sie als Gesicht der Fridays-for-Future-Bewegung mit der Rolle als Frontfrau dieser Bewegung, ja des Klimaaktivismus überhaupt nicht überfordert ist. 

Es ist eine weltweite Bewegung, es kommt auf wichtige Weichenstellungen an. Wer berät sie? Ist sie - ihre Hochbegabung nicht infrage gestellt - nicht überfordert mit einer solch ungemein politischen Aufgabe?

Es scheint so, als ob der UN-Generalsekretär ihr eine entscheidende politische Rolle zubilligt. Sieht er darin eine Chance, die Abhängigkeit von den USA zu verringern?

Wie wird über die weitere Strategie von Fridays-for-Future entschieden? Gibt es eine demokratisch legitimierte Vertretung?

Mit diesem Buch, das ich für weit wichtiger halte als 2052. Der neue Bericht des Club of Rome (obwohl ich das sehr schätze), ist sie in die Rolle des/der Kommunikator*in der gesamten Bewegung eingetreten. Was bedeutet das für ihre persönliche Entwicklung und die der Bewegung? 

Die Parallele zu Johanna von Orléans ist offenkundig. Die wurde "im Alter von 19 Jahren auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt" (Wikipedia). Gelingt es den Gegnern der Klimabewegung, sie persönlich zu diskreditieren und damit die Bewegung zu treffen? - Eine große Verantwortung auch für Personen aus ihrem persönlichen Umfeld. 

Als Historiker denke ich an die Gestalten junger Monarchen. So viel Verantwortung in so jungem Alter! (Beispiel Heinrich IV.)

Aber angesichts der Aufgabe, die Klimapolitik weltweit auf andere Bahnen zu lenken, bedeuten solche Überlegungen zur Person wohl eher, sie zu wichtig zu nehmen. 

Sie hat mit ihrer Formulierung "Wir brauchen Milliarden Klimaaktivistinnen und -aktivisten." (Klimabuch, S.197) wohl auch solchen Überlegungen zu ihrer Person vorbauen wollen. 


2.11.22

Weshalb sagen manche Leute, dass sie intelligenter sind als andere?

 Mein Erkärungsangebot:

Es ist durchaus nicht ganz einfach, wesentlich intelligenter zu sein als andere.

Ich merkte erst spät, aus dem Gesichtsausdruck meines Sohnes zu lesen, dass er oft alles, was ich ihm sagen wollte, schon verstanden hatte, bevor ich es selbst zu Ende gedacht hatte. Dafür hörte er sich schon als kleiner Junge Erklärungen von mir geduldig an, die meine sechs oder acht Jahre älteren Schüler nicht nachvollziehen konnten. ("So genau wollte ich das nicht wissen.") Denn was ihm völlig neu war, fand immer sein Interesse.

Ich bin sehr schwerhörig und selbst die modernen Hörgeräte können das nicht ganz ausgleichen. Deswegen muss ich immer wieder einmal erklären, weshalb ich etwas nicht verstanden habe. Hochintelligente kommen wohl immer wieder einmal in die Verlegenheit, erklären zu wollen, dass sie etwas verstanden haben, was der andere noch gar nicht gesagt hat.

Natürlich ist es kein Verdienst, intelligent geboren zu sein. Es ist auch kein Verdienst, Sohn berühmter Eltern zu sein. Aber es gehört schon etwas dazu, wenn jemand erst auf mehrmaliges Nachfragen ("Woher kannten Sie denn X. schon mit 10 Jahren?" u.ä.) damit herausrückt, dass alle Berühmtheiten, die in unserem Gespräch vorkamen, Bekannte seiner Eltern waren. Der jüngere Bruder dieses Sohns berühmter Eltern klärte mich schon mit seinem zweiten Satz darüber auf.

Wer mit etwas angibt, was nicht sein Verdienst ist ("Ich bin Deutscher!") wirkt natürlich unsympathisch. Aber wenn man lange Erklärungen anhören muss, bei denen man gleich zu Anfang gemerkt hat, dass der andere den Zusammenhang nicht verstanden hat, ist die Versuchung, das zu sagen, schon ziemlich groß.

Wie viel musikalischer meine Frau ist als ich, habe ich erst gemerkt, als sie sich mit meinem Sohn, der früh eine intensive musikalische Ausbildung hatte, über Details unterhielt, von denen ich überhaupt nichts verstand. Natürlich war mir von Anfang an klar, dass sie musikalischer ist als ich. Aber wie groß der Abstand auch bei Personen sein kann, keine Ausbildung haben, das merkt nur der, der mehr davon versteht. Der andere merkt vielleicht nur: Der kann besser Noten lesen und besser absingen als ich. Dass jemand das ganz selbstverständlich so gut kann, dass es ihm schwer fällt, sich klar zu machen, dass andere das wirklich nicht können, gibt es allerdings auch.

Nun, dazu gibt es eine ganze Reihe von schönen Anekdoten.

Diese meine Erklärungen hätte ich mir unter einer Voraussetzung ersparen können: Dann, wenn ich hätte sicher sein können, dass die folgende Frage nicht für angeberisch gehalten worden wäre:

Hast du denn wirklich noch nie darunter gelitten, dass du schneller denkst als andere?

Ich selbst habe als Lehrer durchaus darunter gelitten, wenn meine Schüler meine Erklärungen nicht verstanden haben. Aber nicht deshalb weil ich intelligenter gewesen wäre als sie. Mein Sohn kann ausgezeichnet erklären. Aber als er mir als Zwölfjähriger die Grammatik einer neuen Computersprache erklären wollte, hat er gelitten und gab an einer Stelle auf. Nämlich als ich eine Frage stellte, aus der er erkannte, dass ich schon den vorvorletzten Gedankenschritt nicht verstanden hatte.

Später hat er mir dann seine Promotion in 20 Minuten erklärt. Das hat deshalb funktioniert, weil er mir anhand von Analogien aus der Mathematik, die ich verstehe, anschaulich gemacht hat, inwiefern das, was er behandelt hat, etwas Neues war. Inzwischen kannte er mich gut genug, um einschätzen zu können, was ich nachvollziehen könnte und was nicht. Und so viel wusste auch ich längst: Es wäre töricht gewesen, mir genau das erklären zu wollen, was die Schwierigkeit bei seiner Arbeit war. Dafür fehlten mir alle Voraussetzungen.

So haben wir beide nicht gelitten. - Und ganz stolz war er, als er mir von seinem neuen Arbeitsplatz berichten konnte: Da gibt es welche, die viel intelligenter sind als ich. Und ich werde dafür bezahlt, dass jemand mir etwas erklärt.

Und wir hatten beide unsere Freude daran, als er meiner vierjährigen Enkelin erklärt hat, was ein Komet ist ("in kleiner Himmelskörper von meist einigen Kilometern Durchmesser, der in den sonnennahen Teilen seiner Bahn eine durch Ausgasen erzeugte Koma* und meist auch einen leuchtenden Schweif (Lichtspur) entwickelt."  - Wikipedia). Ich habe dabei viel gelernt und sie hatte das Gefühl, es richtig verstanden zu haben, besser als die Erklärungen von anderen Erwachsenen.

*"Sobald ein Komet bei der Annäherung an die Sonne in einem Abstand von etwa 5 AE ungefähr die Jupiterbahn kreuzt, bildet die Wechselwirkung zwischen Sonnenwind und Komet eine schalenförmige Koma, die in Kernnähe auch strahlenartige Strukturen zeigt. Sie entsteht durch Sublimation leicht flüchtiger Substanzen [...]" ( Wikipedia)

Man muss einen solchen Sachverhalt schon sehr gut verstanden haben, wenn man ihn einer Vierjährigen so erklären kann, dass sie mit der Erklärung etwas anfangen kann. Ich kann das nicht, und schon gar nicht mit wenigen Worten.

Und sie hat dann als Komet immer einen Schal als Lichtspur hinter sich her gezogen.

Sieh auch: gutefrage.net, wo die Frage gestellt worden ist, die ich zu beantworten suche. 

21.9.22

Eine Zeit lang

Eine Zeit lang habe ich  wieder mehr privates, handschriftliches Tagebuch geführt.

Heute habe ich an sich Lust, hier etwas festzuhalten, doch es geht auf eine Kurzreise. Vielleicht hole ich den beabsichtigten Eintrag nach oder verfasse demnächst wieder einen etwas längeren hier.

4.8.22

Synonyme und feine Unterschiede

Als ich 1979 in England ein Haus mieten wollte und der Hauseigentümer mich fortwährend willkommen hieß ("You are welcome"), verstand ich nicht, dass er damit dasselbe meinte wie ich, wenn ich, wenn ich "kein Problem" oder "macht nichts" sage.*

Als ich bei meiner Rückkehr mit dem stellvertretenden Direktor meiner Schule sprach, der immer wieder "kein Thema" sagt, war mir klar, dass er damit ausdrückte, dass er bereit war, für meine Anliegen großen Einsatz zu zeigen und weite Wege zu gehen, so wie ich, , wenn ich "kein Problem" sage.

Als ich heute lernte, das französische "de rien" ("keine Ursache") mit "You are welcome" zu übersetzen lernte, merkte ich, dass das abgedeckte Wortfeld der beiden Ausdrücke größer ist, als ich es zunächst wahrgenommen hatte und dass es auch das neuerdings im Deutschen übliche "gerne" und "alles gut" umfasst. 

"You are welcome" war so sehr freundlich. Freilich, wenn jemand ein Glas umwirft, so dass die gesamte Tischdecke nass wird (am besten noch mit Rotwein), wird "You are welcome" und "gerne" doch weniger passen als "de rien", "macht nichts" und "kein Thema". 

Mir fällt dazu die interpretierfähige Aussage der Bischöfin Käsmann ein: "Nichts ist gut in Afghanistan" . Natürlich wollte sie nicht sagen, es gäbe dort nichts Gutes zu essen, sondern deutlich auszusprechen, dass, wer "Deutschland am Hindukusch verteidigen" will, in Kauf nimmt, dass dabei "Kollateralschäden" von vielen Toten auftreten. Und dass der Unterricht für afghanische Mädchen das Leben vieler Menschen kosten könnte, die dort deutsche Journalisten und Ausbilder bei ihrer Arbeit unterstützen, und bei noch viel mehr Menschen Todesangst auslösen würde. Zur Einführung eines Verständnisses für die Gleichberechtigung aller von Menschen gehört mehr als die militärische Beherrschung eines Gebietes und die Einrichtung vieler Mädchenschulen. 

Erst beim Streit über Documenta fifteen wurde deutlich, wie fremd Opfern von Kolonialismus und Postkolonialismus die Vorstellung ist, Juden als Kolonialisten anzusehen, sei angesichts des Holocaust unerlaubt. Und wie fern der deutschen Kultur der Vergangenheitsbewältigung die Vorstellung ist, das Alleinstellungsmerkmal des Holocaust könnte als unerlaubte Sonderstellung weißer Opfer von Völkermord angesehen werden. 

Was aus der einen Sicht humanitäre Intervention zur Verhinderung von Völkermord ist, kann von der anderen Seite als unzulässige Einmischung selbsternannter Richter des "Westens" mit seiner "regelbasierten Werteordnung", die sich als Weltordnung aufplustert, verstanden werden. Warum sollten Bürger der USA nicht vor dem Internationalen Strafgerichtshof zur Verantwortung gezogen werden dürfen?


*Außerdem besinne ich mich, dass ich bei dem Gespräch mit dem englischen Hausbesitzer immer wieder etwas von "cobbet" hörte und erst als ich meiner jüngsten Tochter "cupboard" vorlas, von der wenig älteren aufmerksam gemacht wurde: "Papa, du liest da ja "Kappbord", es heißt doch "cupboard". 

Kluge Frauen

In einem Tweet empörte sich ein(e) Twitter*in darüber, dass über einen offenen Brief von u.a. Alice Schwarzer und Juli Zeh debattiert werde, wo sich doch schon kluge Frauen dazu geäußert hätten:

Es gibt so viele kluge Frauen, die sich hier z.T. seit vielen Jahren sachkundig über die Ukraine äußern, z.B. , , , ; aber Deutschland debattiert über Alice #Schwarzer, als wisse diese Frau, worüber sie da redet.

Alice Schwarzer nachzusagen, sie wisse nicht, worüber sie rede. ist in meinen Augen eine Beschimpfung, wenn nicht Beleidigung.

Juli Zeh hatte die Gelegenheit, in einem Interview mit der Zeit ihre Ansichten dazu etwas näher zu erläutern:

"ZEIT ONLINE: Woher wollen Sie wissen, ob in dem Moment, in dem der Krieg beendet wird, auch das Morden, die Vergewaltigungen und die Deportationen beendet werden? 
 Zeh: Unter Kriegsbedingungen wird all das ganz sicher weitergehen. Deswegen brauchen wir dringend einen Waffenstillstand, eine Ruhepause, die es ermöglicht, in einen Verhandlungsmodus zu gelangen. 
 ZEIT ONLINE: Aber es wird doch schon die ganze Zeit verhandelt, die Ukraine bietet sogar Kompromisse an, etwa eine Neutralität mit Sicherheitsgarantien. Russland geht nur nicht darauf ein. 
 Zeh: Was wir im Moment haben, sind nur dem Namen nach Verhandlungen. Sie dienen dazu, in Kontakt zu bleiben. Zuerst brauchen wir eine Waffenruhe. Das ist der erste Schritt. Es muss Zeit gewonnen werden. Wir wissen aus Erfahrung, dass Friedensprozesse langwierig sind. Wir können nicht auf schnelle Ergebnisse hoffen – und auch nicht auf eins, das uns gefällt. Trotzdem müssen wir an diesem Weg festhalten, weil es der einzig gangbare ist. Auch wenn wir uns wünschen, die Ukraine mit allen Mitteln zu beschützen und Putin restlos zu besiegen, müssen wir uns die Frage stellen, ob das überhaupt möglich ist. Denn wenn man etwas Unmögliches anstrebt und dabei sagt: Das müssen wir erreichen, um jeden Preis!, gerät man in einen Teufelskreis, der rationale Abwägung verhindert. 
 ZEIT ONLINE: Wie könnte denn Ihrer Meinung nach ein Verhandlungskompromiss aussehen, der Putin für seinen verbrecherischen Angriffskrieg nicht belohnt? 
 Zeh: Es kann doch nicht darum gehen, ob Putin auf irgendeine Weise belohnt wird. Es muss darum gehen, Menschenleben zu retten. Es ist auf keine Weise sicher, dass sich der Konflikt mit Waffenlieferungen schneller lösen lässt. Angesichts des enormen Risikos ist es Bürgerpflicht, das zu hinterfragen. (ZEIT online 3.5.22)

Ihre Aussage: "Es ist auf keine Weise sicher, dass sich der Konflikt mit Waffenlieferungen schneller lösen lässt. Angesichts des enormen Risikos ist es Bürgerpflicht, das zu hinterfragen." ist mir zu apodiktisch formuliert. Man kann ein guter Bürger sein, ohne sich über Details militärischer Vorgehensweisen und ihre Effektivität Gedanken zu machen. Aber es als als skandalös hinzustellen, wenn eine solche Frage öffentlich diskutiert wird, geht entschieden zu weit.
Angesichts der gegenwärtigen überhitzten Diskussionen ist es freilich kein besonders schlimmer Fall. (Diese Fälle bekomme ich aufgrund der begrenzten Zahl von Personen, denen ich auf Twitter folge, zum Glück erst mit, wenn sie in anderen Medien besprochen werden.)
Da ich meinerseits auf diesen Tweet nicht so differenziert geantwortet habe, wie ich es für wünschenswert halte, hole ich es hiermit nach, auch wenn meine Artikel in diesem Blog weit weniger Personen erreichen als meine undifferenzierteren Tweets.

8.5.22

Was mache ich hier eigentlich?

 Während in meiner aktiven Zeit als Lehrer meine Blogartikel weitgehend auf meinen Erfahrungen mit Schule und Schulbürokratie beruhten, ergeben sie sich seitdem aus dem, was mir mein persönliches Lernnetzwerk (PLN) mir zuträgt: Zeitungen und Zeitschriften, gedruckt und online, Kontakte mit Internetbekanntschaften (nicht zuletzt aus der ZUM), die ich nur selten persönlich treffe, Twitter, gutefrage.net, MOOCs, Newsletter u.ä. Eigene Recherchen betreibe ich nicht.

Hat ein solcher Echoraum für medial Produziertes seinen Sinn?
Positiv beantworten würde ich es eindeutig bei 2052. ...Flüchtlinge und "Der Mann, der die Wüste aufhielt" (basierend auf einem ZEIT-Artikel von Andrea Jeska).
Bei meinen weit über 1000 anderen Texten? Bei meinen Meinungsäußerungen?
Immer wieder lese ich Artikel, die ich für festhaltenswert und empfehlenswert halte und erstelle Blogartikel, wie ich früher Zeitungsausschnitte sammelte. Bei einem Wikipediaartikel wie Zeitungsausschnitt, der 2009 entstand und seitdem immer wieder einmal verbessert wurde und gegenwärtig täglich zweimal abgerufen wird, erscheint mir das unbedingt sinnvoll, weil ich heute dort nicht nur lesen kann, was ich damals dazu herausgefunden habe, sondern auch, was ich in der Zwischenzeit hätte lernen können, wenn ich mich weiterhin damit beschäftigt hätte.

Ich will in Zukunft mehr Zeit für Beziehungen aufwenden und weniger für solche Texte.
Freilich, die Frage "Was tue ich eigentlich?" sollte man sich immer wieder stellen. Aber muss man wirklich einen Blogartikel dazu schreiben, nur damit man später einmal weiß, was man damals gedacht hat?

Und wenn Sie bis hierher gekommen sind, fragen Sie sich vermutlich: "Warum habe ich das hier eigentlich gelesen?"
Meine Schüler haben mir über die Aussageabsicht von Texten meist gesagt: "Der Text will zum Nachdenken anregen."
Hilft Ihnen das weiter?

Dieser Blogartikel wurde am 10.3.2018 in meinem Lehrerblog geschrieben. Dabei hatte ich schon seit dem 12.2.2007 hier den persönlicheren Tagebuchblog angefangen (mit einem Artikel über den utopischen Frieden, dem dann einer über soziale Verteidigung* folgte - heute nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gewiss noch aktueller als damals)  zunächst mit Texten, die ich in den 80er-Jahren geschrieben hatte, dann mit persönlichen Reflexionen, öfter auch auf äußere Anregungen bezogen, aber doch weniger in der Absicht, Material wie Zeitungsausschnitte festzuhalten, sondern um mich erinnern zu können wie an den obigen Beitrag, ohne dass ich Privates aufnehme, was nicht für andere bestimmt ist. 

* Damals schrieb ich: "Soziale Vertei­digung setzt voraus, daß der einzelne im Ernstfall zu seiner Entscheidung steht; im Atomkrieg hat keiner mehr die Möglichkeit, sich für Überleben statt Verteidigung zu entscheiden. Das macht den Unterschied der Glaubwürdigkeit Sozialer Verteidigung und atomarer Abschreckung aus. [...] Oft schon in der Geschichte ermöglichten gesellschaftliche Veränderungen neue Kampfmethoden: die Schweizer Bauern gegen das deutsche Ritterheer; die Freiwilligenarmeen der französischen Revolution gegen die Armeen der absoluten Fürsten; spanische Guerillakämpfer gegen Napoleons Heer. Die bewährten Methoden versagten gegen einen Gegner, der besser wußte, wofür er kämpfte. Gegen einen Streik helfen keine Atomwaffen.

Soziale Verteidigung eine Utopie? Unbedingt. Aber atomare Abschreckungsstrategie als Alternative könnte den Weg zu ihr ebnen. (1983)

Soziale Verteidigung am Hindukusch ist nicht möglich. Das spricht für Soziale Verteidigung. (2007)

Mehr zu Soziale Verteidigung"

Beziehungsvoll auch, dass ich diesen Artikel am 8.Mai schreibe, dem Tag, an dem das totalitäre Deutschland kapitulierte.